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20.01.2020

Es war einmal…  „Der Zins“

Interview mit Heiko Nebel und Thomas Lüer (Vorstände der Stadtsparkasse Burgdorf)
 

Was sagen Sie ihren Kunden, wenn sich diese die magere Zinsgutschrift auf ihr Sparguthaben zum Jahreswechsel anschauen?

TL: Das ist schon ein Trauerspiel. Wir gehen in das sechste Jahr, in dem es negative Zinsen im europäischen Finanzsystem gibt. Wenn ein Kreditinstitut heute für eine sichere Anlage noch Zinsen bezahlt oder auch die Nullverzinsung aufrechterhält, ist das leider schon ein Qualitätsmerkmal.

Wie wird sich die Stadtsparkasse zum Thema Negativzinsen positionieren?

HN: Wir haben derzeit geplant, bei der Nullverzinsung für unsere Bestandskunden zu bleiben.
Sehen Sie eine Trendwende?
TL: Nein! Die von der Europäischen Zentralbank (EZB) verfolgten Ziele werden nicht erreicht. Solange das so ist und die EZB nicht ihre Zielsetzung ändert, wird die Niedrigzinsphase in „Euroland“ weitergehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies noch viele Jahre so sein wird, ist sehr hoch.

Und was ist dann die Konsequenz?

HN: Konsum und Verschuldung der privaten Haushalte werden durch extrem niedrige Zinsen zurzeit über alle Maßen gefördert. Das Sparverhalten, dass ebenfalls ein wichtiger Teil einer funktionierenden Volkswirtschaft ist, wird bestraft. Ende dieses Jahrzehnts wird eine komplette Generation nicht mehr gelernt haben, dass sich Sparen in sicheren Anlageklassen lohnt.

Ist denn Sparen überhaupt noch sinnvoll?

TL: Unbedingt!!! Die aktuelle Zinssituation führt zu erheblichen Verwerfungen unserer bestehenden Altersvorsorgesysteme. Vor allem die betriebliche Altersvorsorge überfordert zusehends die Betriebe und Pensionskassen. Diese werden zukünftig Mühe haben, die versprochenen Leistungen tatsächlich erbringen zu können. Leistungskürzungen sind mittelfristig nicht mehr auszuschließen.  Daher wird Eigenvorsorge immer wichtiger. Leider muss jeder ohne Zins noch mehr zurücklegen, um eine bestehende Versorgungslücke mit Beginn der Rente zu schließen.

Was können Anleger denn sinnvoll tun?

HN: Wir müssen als Gesellschaft umdenken. Wir haben gelernt, dass wir mit klassischen Sparprodukten, festverzinslichen Anleihen und Lebensversicherungen unser Vermögen durch sichere Zinseinnahmen vermehren können. Das funktioniert aktuell und zukünftig nicht mehr. Um noch Rendite erzielen zu können, wird die Beteiligung an Sachwerten unserer Volkswirtschaft immer wichtiger. Eine sinnvolle Vermögensaufteilung besteht heute aus Immobilien, Aktien, Rohstoffen und Liquidität. Die Gewichtung hängt von der individuellen persönlichen Einstellung ab.
TL: Wer überwiegend Kontoguthaben als Liquidität vorhält, nimmt eine schleichende Geldentwertung durch Inflation jedes Jahr in Kauf. Wer die aktuelle Geldentwertung durch Inflation für sich ausgleichen möchte, kann regelmäßig in Immobilienvermögen zu sparen. Wer die Chance auf langfristig höhere Erträge haben möchte, entscheidet sich für den Aktiensparplan oder die fondsgebundene Lebensversicherung als Alternative.

Sind Aktien wegen der möglichen Kursschwankungen für den Vermögensaufbau nicht zu risikoreich?

TL: Aktien gehören zu einem erfolgreichen Vermögensaufbau zwingend dazu. Mit einem Ansparplan lassen sich die Folgen von Kursrückgängen deutlich vermindern. Dies empfehlen wir ausdrücklich. Ebenfalls ermöglichen Fondsanlagen auch schon mit kleinen Beträgen ab 25,- € im Monat die Beteiligung an einem breiten Aktienspektrum.
HN: Ein regelmäßiger Sparplan in Aktien ist als Vermögensaufbau für jeden ein absolutes Muss. Eltern sparen für ihre Kinder z.B. zur Finanzierung des Studiums, die Generation der 30-50-Jährigen baut sich einen Vermögensstock zur Zukunftssicherung auf und auch zu Beginn des Rentenalters macht der Sparplan Sinn. Schließlich geht es hier ja auch noch um mindestens 30 Jahre eigene Lebenserwartung oder Vermögenssicherung für die Erbengeneration.  

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